| Klein, hellwach, robust, schön, gut |
Sa. 01.08.2009
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Herrenwahl: Flipper (mit Nasenring) ist der Zuchtbulle in der Zwergzebuherde von Andrea und Reinhard Wörz vom Linsenberghof in Hengen.
GEA-FOTO: FINK
BAD URACH-HENGEN. Flipper ziert sich. »Jetzt komm schon, du bist doch sonst nicht so schüchtern«, sagt Andrea Wörz. Alle guten Worte nützen nichts, genauso wenig wie die Leckerli, die die Bäurin entgegenstreckt. Der Zuchtbulle hält sich dezent im Hintergrund. Zwar ist das 22 Monate alte Tier der unumstrittene Chef der kleinen Herde, aber Neuen gegenüber (dem Mann von der Zeitung) ist er sehr reserviert. »Die sind so«, sagt Andrea Wörz, »sehr zurückhaltend und vorsichtig.« Wenn jemand die Grenze überschreitet - übers Gatter steigt oder die Weide betritt - kann der Bulle aber auch böse werden und angreifen.
»Hellwache Viecher sind das«, sagt Reinhard Wörz. Im Jahr 2007 hat er zusammen mit seiner Frau Andrea im Bauernkalender einen Artikel über Zwergzebus gelesen. Jene Robustrinder, die ursprünglich aus Sri Lanka stammen. Mit einer Widerristhöhe von 80 Zentimetern bis 1,20 Meter begegnen sie hierzulande nur Kälbern auf Augenhöhe. Ihre kleinen, starken Köpfe schmücken ausdrucksstarke Augen (Wörz: »die sind nicht so verschlafen wie bei normalen Rindviechern«). Im Widerristbereich haben Zwergzebus einen auffallenden Buckel. Unten zierliche Beine mit feinen Hufen, die keinerlei Trittschäden hinterlassen, auch im steilsten Gelände nicht, in dem die Rinder fast so sicher klettern wie Ziegen.
Zahm und wild zugleich
»Eigentlich genau das, was wir gesucht haben«, sagt Reinhard Wörz. Die Wiesen hinter den Wirtschaftsgebäuden sind so steil, dass sie maschinell nicht bewirtschaftet werden können. Für die sieben Zwergzebus kein Problem. Für die Wörzens auch nicht: »Die Tiere sind sagenhaft pflegeleicht«, sagt Andrea Wörz. Kein Mastfutter, keine Klauenpflege, keine Tierarztbesuche (die Tiere müssen nur entwurmt werden) - nicht einmal bei der Geburt brauchen Zwergzebus Hilfe, sie erledigen das ohne Zutun des Menschen. Impfungen und sonstige Medikamente sind bei dieser Rasse nicht nur überflüssig, sondern ein unnötiger Eingriff in das von Natur her stark ausgeprägte Immunsystem. Die Asiaten brauchen frisches Wasser und genügend Fläche zum Abweiden - fertig.
Andrea und Reinhard Wörz sind begeistert von dem sozialen Verhalten und der Intelligenz der Zwergzebus: Ihre Halter erkennen die Tiere von Weitem. Bei guter Behandlung und mit viel Geduld folgen sie auf Zuruf und lassen sich wie Pferde führen. Auf der anderen Seite ist da die wilde Seite der kleinen Rinder: Wenn sich ein Fremder nähert, bilden die Tiere eine Angriffsfront und nehmen dabei die Jungtiere in die Mitte. In extremen Gefahr- und Stresssituationen stellen sich die Tiere tot.
»Das sind außerdem wunderschöne Tiere«, sagt Andrea Wörz und schwärmt von den vielen Fell-Schattierungen. Letztlich sind und bleiben die Zwergzebus aber Nutztiere. Andrea Wörz weiß, dass die Tiere nicht nur schön, sondern auch gut sind - auf dem Teller. Zwergzebufleisch ist cholesterin- und fettarm und hat einen leicht angehauchten Wildgeschmack. Kräftiger als Angusrind, feiner als Wild. Im Frühjahr ist Mastbulle Nemo dran. (GEA)
Autor: ANDREAS FINK Quelle: © Reutlinger General-Anzeiger 2009
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